
Als direkte Anwendung dazu kamen ein Dutzend weitere noch nie dagewesene LRH Übungen. Ron hatte zum Beispiel bereits erkannt, daß Musik allein schon in der Lage war, zu beruhigen, beschwichtigen oder zu allen 59 Emotionen der emotionalen Tonskala der Scientology anzuregen. So ließ er seine Musiker üben, nur mit Hilfe von Musikinstrumenten die ganze Spannweite von Emotion hervorzurufen. Auf ähnliche Weise bat er sie, Melodien zu komponieren, die Emotionen wie Apathie, Begeisterung oder heitere Gelassenheit erzeugen konnten, gleichgültig in welchem Takt oder für welche Instrumentierung sie geschrieben waren. Und schließlich ermutigte er sie zu üben, wie man ganze Szenarios ausschließlich mit musikalischen Riffs heraufbeschwört, nach dem Grundsatz, daß Musik eigentlich ein Kommunikationsmittel ist. Einer der Schlagzeuger zum Beispiel entwickelte Riffs für Szenarios eines betrunkenen Disko-Tänzers oder einer hochnäsigen Katze. „Anfangs schien das total unmöglich“, erklärte er, „aber allmählich gelang es mir, dieses Schlagzeug dazu zu bringen, genau diese hochnäsige Katze oder den betrunkenen Tänzer zu beschreiben.“
Den darin mit inbegriffenen Punkt erklärte Ron folgendermaßen: „Musik besteht nicht aus Mechaniken. Es ist eine klangliche und emotionale Botschaft, und man kann mit ihr machen, was man will, um sie die beabsichtigte Botschaft kommunizieren zu lassen.“
In diesen ersten paar Wochen trat auch die wahrhaft beeindruckende Reichweite von Rons eigenem Können zutage. Er traf sich mit seinen Musikern beispielsweise um halb zehn Uhr abends und lieferte das melodische Fundament einer neuen Komposition, oft bloß in Form einer gepfiffenen Melodie. Dann lenkte er seine Truppe durch eine oder zwei grobe Proben, wobei Text, Schlagzeugeinsätze und Baß ausgearbeitet wurden, und nach ein paar Proben und einem letzten Schliff war das Lied dann für eine - immer erfolgreiche - Aufführung fertig, all das in nur 24 Stunden. Ein anderes Mal (in nur einer Nacht) stellte Ron ein gänzlich neues Repertoire für eine zweistündige Aufführung zusammen. Er war nicht auf eine Stilrichtung beschränkt, sondern konnte mit gleichem Geschick Country Western, ostasiatische oder nahöstliche Musik schreiben. Er wirkte auch als musikalischer Leiter, Lehrer, Komponist und Arrangeur ... bis es praktisch keinen Aspekt des Apollo-Sounds gab, der nicht seinen Stempel trug.
Gleichzeitig, und völlig unabhängig davon, begann Ron in jenen frühen Wochen des Jahres 1974 mit einer Analyse moderner Musiktrends. Auch dieses Mal stammten seine Werkzeuge aus den Scientology Grundlagen, die mit Logik und dem Auswerten von Daten zu tun hatten. Er beschrieb den Vorgang als Verdauen von Aufzeichnungen beliebter Gruppen - angefangen von Acid Rock bis Rockabilly (eine Kreuzung aus Rockmusik und Hillbilly-Musik) - mit der Absicht, „so etwas wie ein Hinausgreifen über die Strömung hinaus zu erreichen“. Dies erwies sich tatsächlich als eine sehr umfangreiche Arbeit und führte schließlich zu einer Analyse mehrerer tausend Aufzeichnungen; sie umfaßte alles, vom streng Klassischen über Country Western bis zu den spanischen und nahöstlichen Klängen, die den Geschmack in den angelaufenen Häfen bestimmten. Seine Schlußfolgerung - vor allem interessant im Hinblick auf zunehmend komplexe Orchestrierung Mitte der siebziger Jahre - erwies sich als absolut richtig. Er drückte es grob aus und schrieb: „Ich hatte es folgendermaßen analysiert: Die Musik wird immer primitiver.“
Seine Erklärung, die dann folgte, kann im Licht der späteren Rap- und Punk-Trends nicht bestritten werden:

ADURCH, DASS ICH DIE BELIEBTEREN GRUPPEN UNTERSUCHT, IHREM „SINGEN“, IHREN ARRANGEMENTS, IHRER INSTRUMENTIERUNG ZUGEHÖRT UND EIN ÜBERWECHSELN DER BETONUNG BEIM SCHLAGZEUG AUF TROMMELSTÖCKE FESTGESTELLT HABE, UND AUFGRUND ANDERER ANZEICHEN, WURDE ES ZIEMLICH OFFENSICHTLICH, ZUMINDEST FÜR MICH, DASS DIE KULTIVIERTE WELT DIE ZEIT ZURÜCKDREHTE UND NACH IHREN STAMMESWURZELN SUCHTE.
Das Ergebnis nannte er „Star Sound“ und beschrieb es genau im Sinne des primitiven Themas, das „aus der Zukunft heraus zurück in die Höhle zielt“ und somit wiederbelebt, was ein Stammesgefühl des Zusammenseins ausmachte. „Die Teile der Erde, von denen Star Sound entlehnt wurde“, sagte er, „sind (a) Afrika, (b) die Westindischen Inseln, (c) Südamerika, (d) Mittelamerika, (e) die Eingeborenen Nordamerikas, (f) Mexiko, (g) alle Höhlen- und Dschungelperioden.“ Um ihn auf den örtlichen iberischen Geschmack abzustimmen, „wurden dem Star Sound auch Grundthemen oder Volksmusik Spaniens, Portugals und des restlichen Europas hinzugefügt, und dabei wurde er so entwickelt, daß er das Stammes- oder Gemeinschaftsleben wiedererweckt.“ In dieser Hinsicht war Star Sound nicht so sehr eine Musikform, sondern mehr eine Vortragsweise - Geselligkeit andeutend, stark synkopiert mit großer Betonung aufs Schlagzeug. Diejenigen, die hier Parallelen zum Popularisieren von afrikanischen Klängen durch Paul Simon und andere sehen, liegen richtig. Man muß sich jedoch vor Augen halten, daß es Star Sound schon ganze 15 Jahre vor der allgemeinen Akzeptanz von Ethno-Musikstars gab, wie die Gypsy Kings aus Spanien und Ladysmith Black Mambazo aus Südafrika.
